Öffentlichkeits­arbeit

Als Expert*innen für Interkulturelle Öffnung und Diversity Management sind wir neben unseren Beratungen, Seminaren und Workshops auch gefragte Interviewpartner*innen für Publikationen in unterschiedlichen Medien. Hier finden Sie eine Auswahl:

Auf unserem eigenen Youtube-Kanal finden Sie darüber hinaus Videobeispiele aus unserem Arbeitsalltag.

Unternehmen treffen Migrantinnen

März 2022 – Dem Fachkräftemangel entgegenwirken und Migrantinnen einen Weg in den deutschen Arbeitsmarkt ebnen. Das ist das erklärte Ziel des Netzwerkes Chance+ und dem IQ NRW Teilprojekt ÖFFNUNGsZEITEN von Migration und Arbeitswelt e.V. (MA.i). Wie gut das funktionieren kann, zeigt der gemeinsame Aktionstag „Unternehmen treffen Migrantinnen“, anlässlich des Weltfrauentages.

Als Sana am Montagmorgen, den 7. März, das Büro von Ilse Wanie-Blendermann, Arbeitsberaterin von CHANCE+/ Teilprojekt IN VIA, verlässt, atmet sie erleichtert auf. Die 26-jährige Iranerin hat gerade ihr erstes digitales Bewerbungsgespräch mit der Stadt Köln geführt. Sana ist eine von sieben Frauen, die sich heute im Rahmen des Aktionstages, online bei der Stadt Köln und den Sozialbetrieben Köln (SBK) bewerben. Ihren letzten Sprachkurs, mit dem Sprachniveau C1, hat sie auf ihrem Handy gemacht.

Sie ist es gewohnt digital zu arbeiten und findet die Möglichkeit gut, weil sie so flexibler ist. „Nur die schlechte Verbindung ist manchmal schwierig“, bemerkt die junge Frau. Eine stabile Internetverbindung, Computer mit Bildschirmen und Mikrofonen, dazu die mentale Unterstützung für die Bewerberinnen durch Begleitung einer Mitarbeiterin, das bietet ihr der heutige Aktionstag. Auch wurde sie von ihrer Beraterin eingehend auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet. Welche Fragen gestellt werden und auch was hinter den Fragen steckt.

Job Interview. Digitaler Einstieg. Leicht gemacht

Unternehmen treffen Migrantinnen - Chance+ und MA.i

Gemeinsam mit der Migrantenorganisation MA.i e.V. testet Chance+ erstmals dieses neue Format. Dazu wurden im Vorfeld etwa 20-minütige Termine vereinbart, in denen sich Bewerberinnen und Arbeitgeber per Skype, Zoom oder Teams begegnen. Sowohl für die Bewerberinnen als auch für die Unternehmen ist diese Unterstützung bei der Digitalisierung wichtig.

„Mit der gemeinsamen Aktion möchten wir Türen öffnen, den Einstieg für Migrantinnen im Arbeitsmarkt erleichtern und Impulse bei Arbeitgebern setzten“, erklärt Silke Martmann-Sprenger, Leiterin des Netzwerkes Chance+. Unter Geflüchteten gäbe es viele Kompetenzen, die unerschlossen seien. Diese müssten erkannt und genutzt werden, um Fachkräfte zu gewinnen. Gemeint sind die „oft beeindruckenden Lebensläufe“, wie Petra Sauer, stellvertretende Ausbildungsleiterin der Stadt Köln, berichtet. Viele Frauen haben schon vor ihrer Flucht Arbeitserfahrung in sehr unterschiedlichen Bereichen gesammelt. Oft unter schwierigen Bedingungen.

Es ist eine große Sache für die Frauen, sich bei einem renommierten Arbeitgeber wie der Stadt Köln zu bewerben“, sagt Ilse Wanie-Blendermann. Die 67-jährige ist eigentlich schon in Rente, arbeitet aber noch mit einer halben Stelle bei IN VIA. Sie arbeite gerne und sei fasziniert von der Diversität der Menschen mit denen sie zu tun hat. Heute betreut sie einige Bewerberinnen bei IN VIA bei ihren Gesprächen. Diesen Aktionstag hält sie für sinnvoll. „Es hebt die Frauen aus der Anonymität. Außerdem hätten die Unternehmen so Ansprechpartner*innen, wenn es Herausforderungen gibt.

„Wir sind Vermittler*innen zwischen Bewerberinnen und Arbeitgebern“, berichtet Wanie-Blendermann. Wie wichtig ihre Rolle an diesem Tag ist, bekommt die Beraterin hautnah zu spüren. „Die Bewerberinnen wünschen alle, dass ich während der digitalen Gespräche im Raum bleibe. Das hat offenbar eine beruhigende Wirkung“. Heute geht es erstmal darum, zu einem Schnuppertag eingeladen zu werden, um ein Praktikum und dann eine Ausbildung anzuschließen.

Im Personalamt der Stadt Köln sitzt auf der anderen Seite Petra Sauer in ihrem Büro. Die stellvertretende Ausbildungsleiterin lächelt freundlich in die Kamera. „Wir sind begeistert von dem Format! Das ist großartig organisiert“, sagt sie. Zwar wären ihr Bewerbungsgespräche in Präsenz lieber, weil sie auch zwischen dem Gesagten mehr über Personen erfahren könne, aber das sei momentan eben nicht möglich. Die Gespräche heute seien bewusst niedrigschwellig angelegt worden

Die Stadt Köln hat bereits seit 2016 eine Kooperation mit Chance+. Seither konnten 50 Praktika an Menschen mit Fluchthintergrund vermittelt werden. Einige davon haben eine Ausbildung anschließen können. Sauer ist überzeugt, dass es gut und wichtig ist, dass die Stadt Köln die Stärken von jedem einzelnen Bewerber oder Bewerberin mit Mitgrationsgeschichte genau anschaut. „Unsere Gesellschaft und die Stadt Köln profitieren von der Vielfalt der Bewerber*innen.“ Sagt sie. „Es ist gut, Mitarbeitende zu haben, die aus einer anderen Perspektiven heraus aufzeigen können, wo es „hakt“.

Unternehmen treffen Migrantinnen - begleitetes, virtuelles Kurzinterview

Leitfaden interkulturelle Kommunikation für Unternehmen

Potenziale der Bewerberinnen sichtbar machen und zu fördern, um so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, dafür setzt sich auch MA.i. e.V. ein. Gülsah Tunali arbeitet dort als stellvertretende Projektleiterin des IQ NRW Teilprojekts ÖFFNUNGsZEITEN. Es sei wichtig, Unternehmen bei ihrer Suche zu unterstützen, für die Zielgruppe zu sensibilisieren und beispielsweise auf „Fallstricke“ in der Kommunikation hinzuweisen. In Bewerbungsgesprächen gäbe es unausgesprochene Regeln, die für Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind, selbstverständlich seien. Für Zugewanderte ist das jedoch nicht so. Es sei auch für Unternehmen wichtig, sich dessen bewusst zu sein.

Daher haben die engagierten Mitarbeiterinnen von MA.i einen Leitfaden für Unternehmen entwickelt, der mögliche Hürden im Vorstellungsgespräch aufzeigt und für Besonderheiten in der interkulturellen Kommunikation sensibilisiert. Denn häufig würden kulturell geprägte Verhaltensweisen missverstanden und könnten zu Frust auf beiden Seiten führen. Der Verein setzt sich für die berufliche und gesellschaftliche Integration von Migrant*innen ein. Aber besonders Frauen bräuchten Unterstützung. Trotz guter Qualifikationen und Kompetenzen sind Migrantinnen am Arbeitsmarkt deutlich unterrepräsentiert. „Wir helfen Frauen herauszustellen was sie mitbringen und das nach außen zu tragen.“ Das sei meistens total viel.

Im Anschluss an den heutigen Bewerbungstag werden alle Frauen weiter beraten. Das sei wichtig, damit die Frauen hinterher nicht das Gefühl hätten im luftleeren Raum zu sein. Auch Tunali ist überzeugt von der Aktion: „Wir wollen das Wiederholen, weil wir sehen, wie alle davon profitieren“.

Am Ende des Tages sind alle Beteiligten zufrieden. „Ein schönes Ergebnis. Alle Frauen sind zu weiteren Gesprächen beim Arbeitgeber oder zum Schnuppertag eingeladen worden“, freut sich Martmann-Sprenger.

Fotos und Text: Barbara Bechtloff